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So viel fair wie möglich oder so wenig wie nötig?

„Wir brauchen eine gesetzliche Definition des Fairen Handels“, sagt Christiane Manthey, Leiterin der Abteilung Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Warum?

Das Wörtchen fair ist in.

Mit „fair“ lässt sich Werbung machen. Schon 2013 zählte die Verbraucherzentrale bei einem Marktcheck 15 verschiedene Logos, bis zu 4 davon auf einer Produktpackung. Fragt sich nur: Ist wirklich „fair“ drin, wo „fair“ drauf steht? Was ist der Unterschied zwischen den Logos? Werden all diese Produkte nach denselben Kriterien zertifiziert? Wie hoch ist der tatsächlich faire Anteil in Mischprodukten?

Mit dem Fairtrade Siegel gekennzeichnete Mischprodukte müssen seit 2011 nur noch 20% faire Zutaten enthalten. Bis dahin mussten es mindestens 50% sein.

Zum Vergleich, Lebensmittel dürfen sich nur Bio oder Öko nennen, wenn 95% der Zutaten biologisch angebaut wurden.

100 Prozent Fair-Händler wie die GEPA, dwp oder El Puente, die wir im Weltladen in Holzgerlingen präsentieren, investieren sehr viel Arbeit, um bei Mischprodukten so viele fair gehandelte Zutaten wie möglich einsetzen zu können. Ihre Mischprodukte haben meist einen Fairhandelsanteil von 60-70%. Nur bei einigen wenigen Produkten gelingt es nicht, die 50% zu erreichen, weil es die Zutaten einfach nicht aus fairem Handel gibt. Bisher galt aber auch für Transfair der Grundsatz: Wenn es eine Produktzutat im fairem Handel gibt, dann muss sie auch verwendet werden. Es wird also immer schwieriger für die Verbraucherinnen und Verbraucher sich im Label-Dschungel zurecht zu finden. Deshalb wäre eine gesetzliche Definition mit rechtsverbindlichen, einheitlichen Kriterien und einer entsprechenden Kennzeichnung gut. Noch gibt es jedoch Fairtrade Siegel, Fairtrade-Program Siegel, Utz, Rainforest Alliance, Rapunzel, Hand in Hand, und vieles mehr auf der einen Seite und auf der anderen Seite gepa, dwp und El Puente, die mit ihrem Namen für so viel fair wie irgend geht stehen. Und so lange das so ist, müssen wir die Brille einpacken und die Zutatenliste studieren.